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Das Alphorn
Alphörner
erfreuen sich heutzutage einer steigenden Beliebtheit. Nicht nur in der Schweiz,
sondern auch in Deutschland und Österreich gibt es inzwischen eine große,
ständig wachsende Zahl von Alphornbläsern. Auch in den USA, Kanada und Japan
trifft man Alphornbläser. In unserer Hochtechnisierten und immer komplizierter
werdenden Welt scheint dieses einfache Naturinstrument für viele Menschen
Einfachheit und Natürlichkeit zu verkörpern.
Das Alphorn kann als Prototyp der Blasinstrumente gelten. Obwohl es
instrumentenkundlich aufgrund seiner Tonerzeugung, die mit der der
Blechblasinstrumente übereinstimmt, zu diesen gezählt wird, nimmt es eine
Mittelstellung zwischen den Holz- und Blechblasinstrumenten ein. Sein Klang
vereint die gewaltige Klangfülle eines Blechblasinstruments, etwa einer Posaune,
mit der Weichheit eines Holzblasinstruments, etwa einer Oboe. Während alle
anderen Blasinstrumente im Laufe der Zeit technische Weiterentwicklungen, z. B.
in der Form von Grifflöchern und Ventilen erfuhren, hat das Alphorn bis heute
seine ursprüngliche Form ohne wesentliche Veränderungen beibehalten. Heutige
Alphörnen sind im Durchschnitt ca. 3,5m lang und ihre Länge bestimmt die eine
Tonart, in der sie spielbar sind.
Name:
Allgemein
wird angenommen, dass die Bezeichnung Alphorn vom Namen des Hochgebirges der
Alpen abgeleitet ist. Aufgrund der Verbreitung der Hörner weit über die Alpen
hinaus in nahezu allen Gebirgen Europas erscheint dem Verfasser jedoch eine
andere Ableitung besser angebracht und gerechtfertigt: nämlich von dem Begriff
Alp, Alpe, Alm, die oberhalb eines Bergdorfes liegende Wiese zum Weiden des
Viehs. Der deutsche Dichter Ferdinand Freiligrath schreibt beispielsweise im
Jahre 1845: Im Spessart klingt des Älplers Horn), und der Schweizer Karl Nef
äußert sich zu diesem Thema im Jahre 1931 folgendermaßen: Das Alphorn gilt heute
als ein schweizerisches Instrument. Das ist aber nur insofern richtig, als es
bei uns noch viel gespielt wird und weit verbreitet ist. Es dürfte vielmehr eine
Art musikalischen Urwerkzeuges sein, und er kommt zu der Annahme, dass
musikliebende Naturvölker unabhängig voneinander auf die Idee gekommen sind, aus
kleinen Baumstämmchen trompetenartige Blasinstrumente herzustellen. Der Begriff
Alphorn kann mit Hirtenhorn gleichgesetzt werden und die beiden Begriffe werden
im Folgenden gleichbedeutend verwendet.
Ursprung und Verbreitung:
Nach
landläufiger Meinung gilt das Alphorn als typisches Schweizer Nationalinstrument
und wird als eine Schweizer „Erfindung“ und auf die Schweiz beschränkt
angesehen. Der erste Teil der Aussage kann als unbestrittene Tatsache gelten,
während die beiden weiteren Aussagen nicht zutreffen.
Wann und wo wurde das Alphorn erfunden und gespielt? – eine oft von Bläsern und
Alphornliebhabern gestellte Frage, die leider unbeantwortbar ist und wenig Sinn
macht. Irgendwann und irgendwo in der Urzeit der Menschheit tutete einer unsere
Vorfahren (oder auch mehrere) in ein hohles Stück Holz, in einen abgebrochenen
und irgendwie ausgehöhlten Ast oder kleinen Baum, und erweckte so den ersten
Alphornton zum Leben. Auf welchem Kontinent oder gar in welchem Land dies
geschah, ist heute nicht mehr feststellbar, wahrscheinlich auf jedem, denn
solche einfachen, dem Alphorn entsprechenden hölzernen Blasinstrumente sind
weltweit anzutreffen, ob es sich um von Termiten ausgehöhlte australische
Didgeridoos, indianische Bambus- oder andere Holztrompeten, von denen der
deutsche Komponist und Musiktheoretiker Michael Praetorius übrigens schon im
Jahre 1619 berichtet, oder um afrikanische Holzhörner, die meist quer wie
Querflöten angeblasen werden, handelt.
Diese in ihren Anfängen noch recht kurzen Instrumente hatten mehrere Funktionen
als Gebrauchsinstrumente: Verscheuchen von wilden Tieren, Feinden und Dämonen,
gegenseitige Verständigung und Nachrichtenübermittlung (das „Handy“ der
Seinzeit) und auf einer höheren Entwicklungsstufe, als die Menschen begannen
sich Tiere dienstbar zu machen, als „Arbeitsinstrumente“ der Hirten, mit denen
sie das Vieh antrieben und lenkten.
Die Hirtenhörner früherer Zeiten waren nur etwa halb so lang wie die heutigen
Alphörner, die im Durchschnitt ca. 3,5 m lang sind. Dementsprechend waren auf
ihnen auch meist nur ca. 4-6 Töne spielbar, im Gegensatz zu den heutigen langen
Hörnern, auf denen ca. 12 oder auch mehr Töne spielbar sind, je nachdem über wie
viel Ansatzkraft ein Bläser verfügt. Sie genügten jedoch mit diesen wenigen Töne
vollkommen ihrem Zwecke der Signalgebung.
In Europa gab es früher Alphörner in unterschiedlichsten Formen von der Schweiz
bis nach Schweden von Russland bis Rumänien. Leider starben diese einfachen
Naturinstrumente spätestens bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in den meisten
europäischen Ländern fast völlig aus - auch in der Schweiz! Zum
Alphornwettblasen in Unspunnen in der Nähe von Interlaken traten im Jahre 1805
gerade noch 2 Bläser an, und im Jahre darauf schließlich nur noch ein Einziger.
Durch Fördermaßnahmen wurde jedoch das Alphornblasen in der Schweiz wieder
ziemlich schnell „reanimiert“ und populär. Hier sind in erster Linie die
Verdienste von Ferdinand Fürchtegott Huber, Heinrich Szadrowsky und Alfred Leonz
Gassmann zu würdigen.
In der Schweiz ist das Alphorn zum ersten Mal mit Sicherheit durch den Fund
eines ca. ½ m langen Holzhorns um 14oo bei Meilen und Mitte des 16. Jahrhunderts
durch die Aufzeichnungen des Zürcher Naturgelehrten Conrad Gesner dokumentiert.
In Österreich berichtet im Jahre 1380 zum ersten Male der Mönch von Salzburg vom
hölzernen Kchuhorn, in Deutschland wurde in Parchim (Brandenburg) ein Holzhorn
aus dem 11/12. Jahrhundert gefunden. Ein interessantes schräg angeblasene
Holzhorn ist das Middewinterhorn, das im niederländisch/deutschen Grenzgebiet
heute noch geblasen wird und vermutlich bis und die Zeit der Kelten zurück
reicht. Von den Thüringer Hirten wurde das hölzerne Hirtenhorn bis in die 1970er
Jahre beim Weidebetrieb geblasen und es fand bis 1973 ein alljährliches
Wettblasen der Hirten statt. Im Schwarzwaldstädtchen Villingen erklingt
alljährlich am Heilig Abend das Herterhorn, das übrigens in der Form genau dem
Schweizer Alphorn entspricht und ca. 1,5m lang ist. Dieser Brauch geht auf ein
Gelübde zurück, das die Villinger im Jahre 1765 anlässlich einer Viehpest
ablegten.
In Polen trifft sich jedes Jahr am 2. Adventssonntag eine große Schar von
Ligawkagläsern zum Wettblasen. Ligawka, Bazuna und Trembita sind die Namen der
zwischen 1,5 und 4m langen polnischen Holzhörner. In Russland ist eine Fülle von
hölzernen Hörnern anzutreffen, das interessanteste ist das sibirische Payze, bei
dem der Ton nicht durch Blasen, sondern durch Einsaugen der Luft in das
Instrument erzeugt wird. In Rumänien trifft man auf 5 verschiedene Typen des
Buciums, das dort meist von Frauen geblasen wird, da diesen die Weidewirtschaft
obliegt, und so populär ist, dass es im Jahre 1961 sogar auf einer Briefmarke
abgebildet wurde.
Kuriositäten
im Alphornbau
Offensichtlich regt das Alphorn die Phantasie vieler Bastler und Handwerker an,
kuriose Instrumente außerhalb der gängigen Formen zu bauen. Hörner aus von der
Natur stark verkrümmten und verknorrten Baumstämmen sind schon oft gebaut
worden, ebenso Alphörner in Trompeten- Posaunen- Tuba- und Saxophonform oder
auch aus Blech, Glas, Kunststoff und Pappmasche. Auch ein
Alphorn mit drei Anblasrohren für drei Spieler wurde beispielsweise schon
erfunden.
Das
längste Alphorn der Welt wurde in einer Länge von 47m gleich in
doppelter Ausführung gebaut, nämlich einmal von der Schweizer Alphornfirma
Josef Stocker und zum anderen von dem Amerikaner Peter Wutherich.
aus: „Alphorn
und Hirtenhorn in Europa". von Franz Schüssele
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